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Osterpredigten
von Martin Luther
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Predigt am Ostermontag
( Martin Luther )
- Seite 8 ( von 9 ) -
Darum folgt, dass dieser Same nicht allein eines Weibes Sohn sein müsse,
die kein Mann berührt hätte, sondern auch ewiger Gottes Sohn. Wer
hätte das in diesem Spruch finden können? Niemand. Weil aber des
heiligen Geistes Offenbarung und des Neuen Testaments Licht dazu kommt, so gibt
Moses solches fein.
Weiter folget auch hieraus: Weil er den Teufel unter sich treten und
überwinden sollte, hat er nicht müssen im Tode bleiben, sondern vom
Tode auferstehen und ewiglich leben, und durch seine Auferstehung und Leben
anfangen gewaltig zu herrschen, dass er die Seinen, die an ihn glauben, auch
endlich aus und über Sünde, Tod und Teufel zur ewigen Gerechtigkeit
und Leben bringe.
Solches alles hat unser Herr Christus ohne Zweifel diesen zwei Jüngern aus
diesem Hauptspruch in Mose, als aus der ersten Verheißung von ihm, daraus
auch die andern hernach geflossen sind, aus reichem Geiste ausgelegt, und sein
Leiden und Auferstehung von den Toten daraus kräftiglich bewiesen.
Darum wird dies eine schöne, herrliche Predigt gewesen sein, die unser
Herr Christus den Jüngern getan hat, da er angefangen hat von Mose und
allen Propheten, und ihnen alle Schrift ausgelegt, die von ihm gesagt war.
Dardurch ist ihr Herz billig entzündet und entbrannt worden. Denn es wird
sehr lustig und lieblich zu hören gewesen sein, dass er die Schrift,
welche ihnen zuvor dunkel und verschlossen war, so geöffnet hat.
Moses ist der erste, wie gesagt, an dem der Herr anfängt den Jüngern
die Schrift zu öffnen. Er hat aber nicht allein die erste Verheißung
von des Weibes Samen aus Mose genommen und ausgelegt, sondern auch ohne allen
Zweifel andere Hauptsprüche hinzugenommen; z. B. da Gott Abraham mit einem
Eide verheißt und spricht, 1. Mos. 12, 3 und 22, 18: Durch deinen Samen
sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden. Item, den Spruch 1. Mos. 49,
10 ff.: Es wird das Zepter von Juda nicht entwendet werden, noch ein Meister
von seinen Füßen, bis der Silo (das ist, Held) komme. Und demselben
werden die Völker anhangen. Er wird sein Füllen an den Weinstock
binden, und seiner Eselin Sohn an den edlen Reben. Er wird sein Kleid in Wein
waschen, und seinen Mantel in Weinbeerblut. Seine Augen sind rötlicher
denn Wein, und seine Zähne weißer denn Milch. Die Worte sind finster
und verschlossen, sonderlich das da steht vom Mantel waschen, roten Augen und
weißen Zähnen. Aber wenn ein Prediger und Ausleger darüber
kommt, wie Christus hier, so werden sie licht und offenbar.
Aus den Propheten wird er genommen haben den Spruch 2. Sam. 7, 12 ff. da
Christus David verheißen wird: Wenn nun deine Zeit hin ist, und du mit
deinen Vätern schlafen liegst, will ich deinen Samen nach dir erwecken,
der von deinem Leibe kommen soll, dem will ich sein Reich bestätigen. Der
soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will den Stuhl seines
Königreichs bestätigen ewiglich. Ich will sein Vater sein, und er
soll mein Sohn sein. Und Pf. 132, 11: Der Herr hat David einen wahren Eid
geschworen, davon wird er sich nicht wenden: Ich will dir auf deinen Stuhl
setzen die Frucht deines Leibes.
Diese und andere Sprüche hat unser lieber Herr Christus den zwei
Jüngern aus Mose und aus den Propheten ausgelegt, dass ihnen die Schrift,
so zuvor ihnen eitel Fels und Finsternis war, eitel Licht und Feuer geworden
ist, davon ihr Herz gebrannt hat; womit denn angezeigt ist, dass zum Verstand
der heiligen Schrift die Offenbarung gehört, dass der heilige Geist, als
der rechte Ausleger, das Wort auswendig durch die mündliche Predigt und
inwendig durch Erleuchtung im Herzen erkläre. Den Juden war das Wort, so
von Christo gepredigt ward, eitel Stein; aber den Jüngern und andern, die
es mit Ernst und einfältigem Herzen hörten und annahmen, war es Licht
und Feuer, davon ihr Herz erweckt, entzündet, getrost und fröhlich
ward.
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