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Osterpredigten
von Martin Luther
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Predigt am Ostermontag
( Martin Luther )
- Seite 4 ( von 9 ) -
Denn es muss dennoch in der Kirche der Glaube Christi allzeit irgendwo bleiben
und erhalten werden, und etliche sein, so die Wahrheit haben und bekennen,
obgleich derselbigen wenig sind, und der größere Haufen irret, wie
sie hier geirret haben; sollte er auch nicht mehr, denn durch eine Maria
erhalten werden. Darum lässt er auch solches geschehen, dass auch wohl
viele der rechten Heiligen irren und straucheln, dass wir uns nicht auf
Menschen verlassen sollen, wie viel, groß und heilig dieselben sind,
sondern auf das Wort sehen, das da gewiss ist und nicht trügen kann, wie
er allhier diese zwei, und hernach die andern alle allzeit in die Schrift weist
und führt.
Hier neben ist nicht zu vergessen das Exempel des Evangelii, so uns reizt und
vermahnt, dass wir gerne von Christo reden und hören, und mit der Schrift
und Gottes Wort umgehen sollen, ob es auch nicht allzeit so bald verstanden
wird, noch zu Herzen geht, wie es sollte; und zeigt, was es für Kraft,
Nutzen und Frucht wirkt, wo es mit einfältigem Herzen gehandelt wird.
Denn zum ersten sehen wir: Obwohl diese zwei Jünger noch voll Unglaubens
stecken, dennoch, weil sie unterwegs mit einander um Christus sich
bekümmern, ganz einfältiglich und schier vergeblich, so will und kann
er nicht von ihnen bleiben, sondern ist alsbald da und gesellet sich aufs
freundschaftlichste zu ihnen, und bald trifft er ihr Herz und Gedanken, und
fängt an, ihnen eine schöne, herrliche Predigt zu tun eben von dem
Artikel, darob sie bekümmert sind und zweifeln, dergleichen sie zuvor
nicht gehört hatten. Darnach zum andern, empfinden sie alsbald die Kraft
desselben, dass ihr Herz nicht mehr so schwer, träg und kalt bleibt zu
glauben, wie zuvor, sondern bewegt und entzündet wird, dazu auch
erleuchtet, und einen neuen Verstand kriegt, dass sie nun die Schrift beginnen
recht zu verstehen, und ihnen klar und helle wird, die sie zuvor nicht
verstanden hatten.
Und zum letzten werden die Larven und Deckel von ihren Herzen und Augen
genommen, dass sie ihn nicht mehr für einen Gast und Fremdling ansehen,
sondern nun recht erkennen und fühlen, dass er nicht mehr ferne von ihnen,
sondern selbst gegenwärtig ist, und solches in ihnen wirket, dass sie nun
ganz gewiss im Glauben sind, und hinfort der leiblichen, sichtbaren Offenbarung
nicht mehr bedürfen sondern alsbald hingehen, und andern auch predigen,
und ihnen wider den Zweifel und Unglauben helfen können.
Darum sollten wir auch, ihrem Exempel nach, Gottes Wort gerne hören, und
nicht verdrossen werden; denn es ist nicht allein eine nötige Übung
für beide, Schwache und Starke, Unverständige und Gelehrte, und lehrt
allerlei, was zur Seligkeit notwendig, reichlich, und kann nimmer ausgelernt
werden; sondern es ist auch das Mittel, dadurch Gott in unserm Herzen wirken
und den Glauben und heiligen Geist geben will; wie St. Paulus Röm. 10, 17
sagt: Der Glaube kommt aus dem Hören des Wortes. Und ist gewiss die Frucht
dabei, wo es mit Ernst gemeint wird, obgleich das Herz am ersten kalt und faul
dazu ist; so man nur fortfährt und dabei bleibt, so bleibt's nicht
vergeblich, sondern schaffet, dass es die Unverständigen und Irrenden
herzu bringt und bessert, die Schwachen stärkt, und endlich das Herz
erwärmt und erleuchtet, so dass Christus in der Schrift besser verstanden
und erkannt wird.
Und ob kein anderer Nutzen dabei wäre, sollte uns doch das reizen, gerne
damit umzugehen, dass wir Gott und dem Herren Christo daran einen Gefallen und
lieben Gottesdienst tun; und wissen, dass er alsdann gewisslich nicht weit von
uns ist, wie er selbst verheißet und spricht Matth. 18, 20: Wo ihrer drei
oder zwei bei einander sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Da
sind mit ihm freilich auch die lieben Engel um dich, und haben ihre Lust und
Freude daran, und dagegen wird der Teufel hinweg getrieben und muss weichen,
wie er von Christo weichen musste, da er ihm mit Gottes Wort widerstand, Matth.
4, 11.
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