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Osterpredigten
von Martin Luther
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Predigt am Ostermontag
( Martin Luther )
- Seite 5 ( von 9 ) -
Das sei von den vornehmsten Stücken der Historie dieses Evangeliums
gesagt. Über das ist noch da das Hauptstück von der Predigt Christi,
die er den Jüngern getan hat aus der Schrift, und in Summa daraus beweist,
dass Christus musste leiden, und also in seine Herrlichkeit gehen etc. Von
welcher Predigt der Evangelist also spricht:
Und er fing an von Mose und allen Propheten, und legte ihnen alle Schriften
aus, die von ihm gesagt waren.
Das ist eine so herrliche Predigt gewesen, dass die Jünger darnach selbst
bekennen im Flecken, dass ihr Herz gebrannt habe, da er mit ihnen geredet hat
auf dem Wege, und ihnen die Schrift geöffnet.
Nun wollte ich wünschen, dass man wissen möchte, was doch der Herr
für Schrift über Mose und den Propheten geführt habe, dadurch
sie entzündet, gestärkt und überzeugt sind in dem Artikel, dass
Christus hat müssen leiden und zu seiner Herrlichkeit eingehen, weil man
doch so gar wenig, ja wie sich's ansehen lässt, gar nichts über Mose
findet, das davon gesagt wäre. Denn die Juden haben auch Mosen, als denen
vertrauet ist, was Gott geredet hat; und haben doch solches in Mose nicht
finden können, ja lesen noch heutigen Tages Mosen, und können doch
solche Dinge darin nicht ersehen, sondern sehen das Widerspiel.
Wie mag das zugehen? Christus beruft sich auf Mosen und alle Propheten, und
spricht, dieselben zeugen von ihm; und die Juden haben und lesen Mosen und die
Propheten, und können dennoch in Mose und in den Propheten nichts von
Christo ersehen. Wie reimt sich das? Antwort: Diese zwei Jünger lösen
auf, da sie sagen: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf
dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? Gewiss ist's, dass Moses von
Christo schreibt; aber daran liegt's, dass die, so Mosen lesen, auch verstehen,
wovon Moses redet. Denn St. Paulus 2. Cor. 3, 14 sagt, dass bis auf den
heutigen Tag, wenn die Juden Mosen lesen, Decke oder Tuch vor ihren Augen und
Herzen hängen, dass sie es nicht sehen können. Und Christus, Luc. 8,
10 spricht zu seinen Jüngern: Euch ist's gegeben zu wissen das Geheimnis
des Reiches Gottes, den andern aber in Gleichnissen, dass sie es nicht sehen,
ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören. Darum
ist die Schrift ein solches Buch, dazu nicht allein das Lesen, sondern auch der
rechte Ausleger und Offenbarer, nämlich der heilige Geist gehört. Wo
der die Schrift nicht öffnet, da bleibt sie wohl unverstanden, ob sie
schon gelesen wird. Heutigen Tages geht's noch also zu in der Welt. Wir haben
die Lehre so klar als die Apostel. Wir erweisen die Artikel der reinen Lehre
aus der Schrift, also dass es unsere Widersacher nicht widerlegen können.
Aber was hilft's? Ist doch kein Artikel des Glaubens von den Aposteln gepredigt
worden, der nicht von den Ketzern angefochten wäre. Was ist's denn Wunder,
dass die reine Lehre, so wir predigen, angefochten wird? Darum fehlt's nicht an
der Schrift, am Lesen oder Predigen, sondern am Ausleger.
Darnach gehören auch zu der Schrift rechte Schüler, die sich gern
lehren und weisen lassen. Denn Moses und die Propheten sind solche Lehrer, die
die Weisen und Klugen zu Narren machen, und der Vernunft die Augen ausstechen,
wo sie anders sollen verstanden und geglaubt werden. Wo das nicht geschieht,
stößt und ärgert man sich daran oder widerspricht es. Darum
will's nicht anders sein: wer die Schrift verstehen und fassen soll, der muss
ein Narr werden. Wer hier klug sein will und es mit der Vernunft messen, wie
sich's reime und schicke, mit dem ist's verloren, der bleibt wohl ein
untüchtiger Schüler.
Die Bibel und Schrift ist nicht ein solches Buch, so aus der Vernunft oder aus
Menschenweisheit her fließt. Der Juristen und Poeten Künste kommen
aus der Vernunft, und mögen wiederum von der Vernunft verstanden und
gefasst werden.
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