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Predigt am Ostermontag

( Martin Luther )

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Das sei von den vornehmsten Stücken der Historie dieses Evangeliums gesagt. Über das ist noch da das Hauptstück von der Predigt Christi, die er den Jüngern getan hat aus der Schrift, und in Summa daraus beweist, dass Christus musste leiden, und also in seine Herrlichkeit gehen etc. Von welcher Predigt der Evangelist also spricht:
Und er fing an von Mose und allen Propheten, und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren.
Das ist eine so herrliche Predigt gewesen, dass die Jünger darnach selbst bekennen im Flecken, dass ihr Herz gebrannt habe, da er mit ihnen geredet hat auf dem Wege, und ihnen die Schrift geöffnet.
Nun wollte ich wünschen, dass man wissen möchte, was doch der Herr für Schrift über Mose und den Propheten geführt habe, dadurch sie entzündet, gestärkt und überzeugt sind in dem Artikel, dass Christus hat müssen leiden und zu seiner Herrlichkeit eingehen, weil man doch so gar wenig, ja wie sich's ansehen lässt, gar nichts über Mose findet, das davon gesagt wäre. Denn die Juden haben auch Mosen, als denen vertrauet ist, was Gott geredet hat; und haben doch solches in Mose nicht finden können, ja lesen noch heutigen Tages Mosen, und können doch solche Dinge darin nicht ersehen, sondern sehen das Widerspiel.
Wie mag das zugehen? Christus beruft sich auf Mosen und alle Propheten, und spricht, dieselben zeugen von ihm; und die Juden haben und lesen Mosen und die Propheten, und können dennoch in Mose und in den Propheten nichts von Christo ersehen. Wie reimt sich das? Antwort: Diese zwei Jünger lösen auf, da sie sagen: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? Gewiss ist's, dass Moses von Christo schreibt; aber daran liegt's, dass die, so Mosen lesen, auch verstehen, wovon Moses redet. Denn St. Paulus 2. Cor. 3, 14 sagt, dass bis auf den heutigen Tag, wenn die Juden Mosen lesen, Decke oder Tuch vor ihren Augen und Herzen hängen, dass sie es nicht sehen können. Und Christus, Luc. 8, 10 spricht zu seinen Jüngern: Euch ist's gegeben zu wissen das Geheimnis des Reiches Gottes, den andern aber in Gleichnissen, dass sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören. Darum ist die Schrift ein solches Buch, dazu nicht allein das Lesen, sondern auch der rechte Ausleger und Offenbarer, nämlich der heilige Geist gehört. Wo der die Schrift nicht öffnet, da bleibt sie wohl unverstanden, ob sie schon gelesen wird. Heutigen Tages geht's noch also zu in der Welt. Wir haben die Lehre so klar als die Apostel. Wir erweisen die Artikel der reinen Lehre aus der Schrift, also dass es unsere Widersacher nicht widerlegen können. Aber was hilft's? Ist doch kein Artikel des Glaubens von den Aposteln gepredigt worden, der nicht von den Ketzern angefochten wäre. Was ist's denn Wunder, dass die reine Lehre, so wir predigen, angefochten wird? Darum fehlt's nicht an der Schrift, am Lesen oder Predigen, sondern am Ausleger.
Darnach gehören auch zu der Schrift rechte Schüler, die sich gern lehren und weisen lassen. Denn Moses und die Propheten sind solche Lehrer, die die Weisen und Klugen zu Narren machen, und der Vernunft die Augen ausstechen, wo sie anders sollen verstanden und geglaubt werden. Wo das nicht geschieht, stößt und ärgert man sich daran oder widerspricht es. Darum will's nicht anders sein: wer die Schrift verstehen und fassen soll, der muss ein Narr werden. Wer hier klug sein will und es mit der Vernunft messen, wie sich's reime und schicke, mit dem ist's verloren, der bleibt wohl ein untüchtiger Schüler.
Die Bibel und Schrift ist nicht ein solches Buch, so aus der Vernunft oder aus Menschenweisheit her fließt. Der Juristen und Poeten Künste kommen aus der Vernunft, und mögen wiederum von der Vernunft verstanden und gefasst werden.





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