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Osterpredigten
von Martin Luther
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Predigt am Ostermontag
( Martin Luther )
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Was tut Christus, da er den Sadducäern (welche die Auferstehung von den
Toten nicht glaubten, und keine Schrift, denn allein Mosen annahmen) das Maul
stopfet, und sie überzeugt von der Auferstehung der Toten? Matth. 22. Da
nimmt er das allergemeinste Wort, das sie hatten, und allen Juden bekannt und
täglich im Brauch war, dass Gott sagt: Ich bin der Gott Abrahams, und der
Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Was schließt Christus daraus? Die
Sadducäer glauben nicht, dass ein Geist, Engel, Teufel und ewig Leben sei;
aber Christus machet Mosen, der den Sadducäern finster, blind und stumm
war, offenbar, sehend und redend, und schließt also:
Gott ist ein Gott Abrahams, Isaak und Jakobs, das sagt Moses, und ihr
Sadducäer könnt's nicht leugnen. So ihr nun Gott für einen
solchen haltet, der ein Gott ist der Toten, was ist er für ein Gott? Ist
aber Gott ein Gott Abrahams, Isaak und Jakobs, wie Moses sagt, so muss Abraham,
Isaak und Jakob leben. Denn Abraham, Isaak und Jakob nicht lebten, wie
wäre dann Gott ihr Gott, sintemal er nicht ein Gott der Toten ist, sondern
der Lebendigen. Darum muss Abraham, Isaak und Jakob leben, ob sie gleich
gestorben und begraben sind.
Damit erzeugt Christus die Sadducäer von der Auferstehung der Toten. Vor
unsern Augen sind sie tot, aber vor Gott sind sie lebendig. Denn Gott spricht:
Das ist mein Name ewiglich, dabei man mich nennen soll für und für,
dass ich bin ein Gott Abrahams, Isaak, Jakobs und aller, die da glauben.
Wer hätte sich der Auslegung versehen über die kurzen, gemeinen
Worte, dass Abraham, Isaak, Jakob mussten von den Toten auferstehen, und im
Tode nicht bleiben? Und das die Sadducäer durch diese gemeinen Worte
sollten von der Auferstehung der Toten überzeugt werden. Die Worte wussten
sie sehr wohl und hielten doch nicht dafür, dass ein Wort im ganzen Mose
von der Auferstehung der Toten zu finden wäre, geschweige denn, dass diese
gemeinen Worte denselben Artikel so gewaltig geben sollten. Darum liegt alles
an dem Offenbaren. Diese zwei Jünger haben zuvor auch Mosen gelesen, aber
nicht verstanden. Nun aber Christus kommt, und ihnen die Schrift öffnet,
sehen sie mit andern Augen hinein, und verstehen nun, was sie zuvor nicht
verstanden haben.
Was wird aber Christus in dieser Predigt zu den Jüngern angeführt
haben? Ohne Zweifel die erste Verheißung der Gnaden, welche Gott Adam und
Eva gegeben hat nach dem Fall, da er zu der Schlange spricht: Ich will
Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, und zwischen deinem Samen und
ihrem Samen; derselbe soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die
Ferse stechen. Diese Worte liest der Jude, Türke und Heide, sieht aber und
versteht nicht, was drinnen ist. Wenn aber des heiligen Geistes Offenbarung
dazu kommt, so versteht man, was damit gesagt ist.
Aus diesem Spruch folget das ganze neue Testament von Christo. Denn erstlich
ist hierin angezeigt, dass dieser Same sein muss wahrhaftiger natürlicher
Mensch. Denn wo er nicht wahrhaftiger, natürlicher Mensch wäre, so
könnte er nicht des Weibes Samen, das ist natürliche Weibesfrucht und
Kind sein.
Zum andern ist angezeigt, dass dieser Same und Schlangentreter ein heiliger,
gerechter Mensch sein muss, ohne alle Sünde empfangen und geboren. Denn
Moses nennet keinen Mann, sondern gibt diesen Samen oder Kind dem Weibe allein.
Zum dritten ist hierin angezeigt, dass dieser Same sein muss wahrhaftiger Gott.
Denn soll er der Schlange den Kopf zertreten, das ist, ein Herr sein über
Sünde und Tod, den Teufel unter sich werfen, uns aus seiner Gewalt
reißen, Gerechtigkeit und Leben wiederbringen, so gehört eine
göttliche, allmächtige Kraft dazu. Es muss eine größere
Gewalt und Kraft denn menschliche, ja größere denn englische Kraft
da sein.
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