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Predigt am Ostermontag

( Martin Luther )

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Die Christen aber und Gläubigen erfahren beide, bei andern und sich selbst, bekennen und verklagen auch ihre Schwachheit, dass sie diesen Artikel nicht können also stark mit Glauben fassen und ins Herz bringen, wie sie sollten, und müssen wider solche ihre Schwachheit ihr Leben lang fechten und streiten; wie St. Paulus selbst sagt (Phil. 2, 12), dass er's nicht ergriffen habe, sondern immer darnach strebe, und sich strecke, dass er es ergreifen möge, die Kraft der Auferstehung Christi zu erkennen. Denn wie wohl dieser Artikel an sich selbst ganz lieblich und tröstlich, und eitel Freude und Seligkeit ist, dass er sanft und leicht sollte ins Herz gehen, so hat er doch zwei starke Hindernisse, die ihn schwer zu glauben machen. Zum ersten, dass dies Werk an sich selbst viel zu hoch und groß ist, dass es nimmer genug in diesem Leben kann begriffen werden, wenn auch gleich der Glaube ganz stark ohne Schwachheit wäre. Denn es ist eine solche Kraft und Gewalt, die wir erst in jenem Leben ewiglich recht schauen und erfahren werden. Zum andern, dass unser Fleisch und Blut und aller Menschen Herz ohne dies von Natur viel zu schwach und zu blöde ist, Gottes Wort zu glauben, und vor der Größe solches Werkes, so es dieselbe bedenket, erschrecken und sich entsetzen muss, wenn es sich selbst und seine Unwürdigkeit dagegen ansieht.
Mit dem ersten Hindernis kann Gott nichts versehen noch Geduld haben, denn das Werk muss und soll so groß bleiben, wie es ist, und in nichts verringert werden, ja es soll die Kraft und Macht sein, der alle Kreatur, Mensch, Engel, Teufel und Hölle müssen weichen und erliegen; wie es denn auch um unsres Heils und Seligkeit willen von Nöten ist. Denn wo das nicht wäre, so müssten wir unter der Sünde, ewigem Gottes Zorn und Tod bleiben. Aber mit dem andern kann er noch durch die Finger sehen und Geduld haben, dass wir zu schwach sind, solch großes Werk und Kraft mit dem Glauben zu fassen. Wie wir sehen, dass Christus allhier an seinen Jüngern tut, welche wohl gehört hatten, dass er auferstanden war, und doch noch in großem Zweifel stehen, auch so gröblich, dass sie schier ganz an Christo verzweifelt hatten, weil sie sagen: Wir hofften, er solle Israel erlösen.
Und siehe, wie mit großem Fleiß er sich dieser zwei schwachgläubigen Jünger annimmt, und für sie sorgt, und alles tut, ihrer Schwachheit aufzuhelfen, und ihren Glauben zu stärken. Weil er sieht und weiß, dass sie darum bekümmert und traurig von den andern Apostel hinweggegangen sind, und nicht wissen, was sie denken oder hoffen sollen, will er sie nicht in solchem Zweifel und Anfechtung stecken und bleiben lassen, sondern, dass er ihnen heraushelfe, kommt er und gesellt sich zu ihnen auf dem Wege, und lässt die andern Apostel alle beieinander sitzen, welche doch auch darob bekümmert und schwach genug sind im Glauben.
Weil aber diese in großer Gefahr des Unglaubens sind, findet er sich alsbald bei ihnen ein, als habe er jetzt nach seiner Auferstehung nichts Anderes zu tun; redet und disputiert mit ihnen so freundlich aus der Schrift, gibt ihnen dazu Ursache, dass sie ihn aufhalten und bitten bei ihnen zu bleiben, und mit ihnen zu essen und trinken, bis dass ihr Glaube wieder erweckt, und sie des Zweifels los, und so stark im Glauben werden, dass sie ihn nun erkennen und sehen, dass es eben der Christus ist, den sie zuvor lebendig bei sich gehabt, und vor drei Tagen gekreuzigt gesehen hatten.
Also hat er hiermit selbst wollen uns zur Lehre und Trost vorbilden und zeigen, wie sein Regiment nach seiner Auferstehung in seiner Christenheit getan sein solle; nämlich, dass er die schwachgläubigen, ja auch die irrigen und unverständigen, oder sonst gebrechlichen, blöden und verzagten Herzen und Gewissen nicht will verwerfen, noch von sich stoßen, sondern eben an denselben die Kraft seiner Auferstehung üben und beweisen, also, dass er sie freundlich zu sich lockt, ja selbst zu ihnen sich findet, und auf's schönste und säuberlichste mit ihnen umgeht, mit ihnen redet, sie lehret und unterweiset, ja auch mit ihnen isst, bis sie im Glauben stark und gewiss werden, und ihre Herzen, so zuvor traurig und bekümmert, wieder erfreut werden.





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