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Osterpredigten
von Martin Luther
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Predigt am Ostermontag
( Martin Luther )
- Seite 2 ( von 9 ) -
Die Christen aber und Gläubigen erfahren beide, bei andern und sich
selbst, bekennen und verklagen auch ihre Schwachheit, dass sie diesen Artikel
nicht können also stark mit Glauben fassen und ins Herz bringen, wie sie
sollten, und müssen wider solche ihre Schwachheit ihr Leben lang fechten
und streiten; wie St. Paulus selbst sagt (Phil. 2, 12), dass er's nicht
ergriffen habe, sondern immer darnach strebe, und sich strecke, dass er es
ergreifen möge, die Kraft der Auferstehung Christi zu erkennen. Denn wie
wohl dieser Artikel an sich selbst ganz lieblich und tröstlich, und eitel
Freude und Seligkeit ist, dass er sanft und leicht sollte ins Herz gehen, so
hat er doch zwei starke Hindernisse, die ihn schwer zu glauben machen. Zum
ersten, dass dies Werk an sich selbst viel zu hoch und groß ist, dass es
nimmer genug in diesem Leben kann begriffen werden, wenn auch gleich der Glaube
ganz stark ohne Schwachheit wäre. Denn es ist eine solche Kraft und
Gewalt, die wir erst in jenem Leben ewiglich recht schauen und erfahren werden.
Zum andern, dass unser Fleisch und Blut und aller Menschen Herz ohne dies von
Natur viel zu schwach und zu blöde ist, Gottes Wort zu glauben, und vor
der Größe solches Werkes, so es dieselbe bedenket, erschrecken und
sich entsetzen muss, wenn es sich selbst und seine Unwürdigkeit dagegen
ansieht.
Mit dem ersten Hindernis kann Gott nichts versehen noch Geduld haben, denn das
Werk muss und soll so groß bleiben, wie es ist, und in nichts verringert
werden, ja es soll die Kraft und Macht sein, der alle Kreatur, Mensch, Engel,
Teufel und Hölle müssen weichen und erliegen; wie es denn auch um
unsres Heils und Seligkeit willen von Nöten ist. Denn wo das nicht
wäre, so müssten wir unter der Sünde, ewigem Gottes Zorn und Tod
bleiben. Aber mit dem andern kann er noch durch die Finger sehen und Geduld
haben, dass wir zu schwach sind, solch großes Werk und Kraft mit dem
Glauben zu fassen. Wie wir sehen, dass Christus allhier an seinen Jüngern
tut, welche wohl gehört hatten, dass er auferstanden war, und doch noch in
großem Zweifel stehen, auch so gröblich, dass sie schier ganz an
Christo verzweifelt hatten, weil sie sagen: Wir hofften, er solle Israel
erlösen.
Und siehe, wie mit großem Fleiß er sich dieser zwei
schwachgläubigen Jünger annimmt, und für sie sorgt, und alles
tut, ihrer Schwachheit aufzuhelfen, und ihren Glauben zu stärken. Weil er
sieht und weiß, dass sie darum bekümmert und traurig von den andern
Apostel hinweggegangen sind, und nicht wissen, was sie denken oder hoffen
sollen, will er sie nicht in solchem Zweifel und Anfechtung stecken und bleiben
lassen, sondern, dass er ihnen heraushelfe, kommt er und gesellt sich zu ihnen
auf dem Wege, und lässt die andern Apostel alle beieinander sitzen, welche
doch auch darob bekümmert und schwach genug sind im Glauben.
Weil aber diese in großer Gefahr des Unglaubens sind, findet er sich
alsbald bei ihnen ein, als habe er jetzt nach seiner Auferstehung nichts
Anderes zu tun; redet und disputiert mit ihnen so freundlich aus der Schrift,
gibt ihnen dazu Ursache, dass sie ihn aufhalten und bitten bei ihnen zu
bleiben, und mit ihnen zu essen und trinken, bis dass ihr Glaube wieder
erweckt, und sie des Zweifels los, und so stark im Glauben werden, dass sie ihn
nun erkennen und sehen, dass es eben der Christus ist, den sie zuvor lebendig
bei sich gehabt, und vor drei Tagen gekreuzigt gesehen hatten.
Also hat er hiermit selbst wollen uns zur Lehre und Trost vorbilden und zeigen,
wie sein Regiment nach seiner Auferstehung in seiner Christenheit getan sein
solle; nämlich, dass er die schwachgläubigen, ja auch die irrigen und
unverständigen, oder sonst gebrechlichen, blöden und verzagten Herzen
und Gewissen nicht will verwerfen, noch von sich stoßen, sondern eben an
denselben die Kraft seiner Auferstehung üben und beweisen, also, dass er
sie freundlich zu sich lockt, ja selbst zu ihnen sich findet, und auf's
schönste und säuberlichste mit ihnen umgeht, mit ihnen redet, sie
lehret und unterweiset, ja auch mit ihnen isst, bis sie im Glauben stark und
gewiss werden, und ihre Herzen, so zuvor traurig und bekümmert, wieder
erfreut werden.
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