Die Ostereier: Die Krebse
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Ostergeschichten und -märchen



Die Ostereier

( Christoph von Schmidt )

8. Die Krebse
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Sie legte ein aufrichtiges Geständnis ab, wie sie aus Begierde, eine ihr neue Speise zu verkosten, für den Scharlach und etwas Geld die Krebse eingehandelt habe.
So unzufrieden der Vater mit der Aufführung seiner Tochter war, so musste er über Katharinas wohlverschuldeten Schrecken doch lachen, und auch die Mutter konnte als eine erfahrene Köchin sich eines Lächelns über den Irrtum ihrer Tochter nicht erwehren.
Der Vater wurde indes sogleich wieder sehr ernsthaft, nahm Katharinas bei der Hand und sprach mit Nachdruck: Du hast wohl Ursache, dich über dein Vergehen zu entsetzen; dein Schrecken aber über die rote Farbe der Krebse ist ohne Grund. Du weißt nicht, dass alle Krebse, wenn man sie siedet, rot werden, so wie einige Fische vom Sieden blau werden. Es ist dieses eine wunderbare, aber gewöhnliche Naturerscheinung, die jedoch dir als etwas höchst Ungewöhnliches und Außergewöhnliches vorkommen musste. Allein so natürlich und gewöhnlich diese Erscheinung ist, so ist doch ihr Eintreffen gerade in dem Augenblicke, da du Böses tatest, eine Schickung Gottes, der alle, auch die kleinsten Dinge lenkt. Nimm also den Schrecken, den diese Begebenheit dir verursachte, als eine Warnung von Gott. Du hast sehr übel gehandelt, und es betrübt mich tief, dass du redlich, wohlmeinende Ermahnungen deines treuen Vaters und deiner guten Mutter, ja die Stimme deines Gewissens nicht geachtet und wieder den alten Fehler begangen hast. Gott aber hat durch diese merkwürdige Schickung der Stimme deines Gewissens mehr Nachdruck gegeben und dich auf sie aufmerksam gemacht; du sahest in der unschuldigen roten Farbe hier deine Schuld und zittertest vor Gott strafender Gerechtigkeit. Erkenne die Macht des Gewissens, dieser Stimme Gottes in uns. Wer sündigt, muss - auch wider Willen - sie hören. Er zitterte vor seinem eigenen Schatten und erschrickt vor einem rauschenden Blatt. Überall erblickt er nur seine Schuld; er muss sich immer fürchten und die ganze Natur wird ihm schrecklich. Ja der kleinste Zufall kann ihn erschüttern und seine geheime Schuld an den Tag bringen. Handle daher immer so, dass du dich vor Gott und Menschen nie zu fürchten hast, so wird der vorübergehende Schrecken, den du hattest, dir einen bleibenden Segen bringen für dein ganzes Leben.
Der Vater sah Katharinas Bestürzung, ihre Reue, ihren Ernst, sich zu bessern, und erließ ihr die Strafe, die er ihr früher angedroht hatte, die er aber nun nicht mehr für nötig hielt.
Wirklich erlosch auch der Eindruck, den die Begebenheit auf Katharina gemacht hatte, nie mehr in ihrem Herzen. Nie veruntreute sie einen Pfennig; sie tat sich alle Gewalt an, ihre Naschhaftigkeit zu bezwingen. Sie war mit den gewöhnlichsten Speisen zufrieden, verlangte keine Leckerbissen, wollte nie zu Unzeit essen, und ward überhaupt äußerst mäßig in Speis und Trank. Als sie schon längst verheiratet, eine vermögende, angesehene Bürgerfrau und eine glückliche Mutter und Großmutter war, erinnerte sie sich noch des Schreckens, den ihr jene Krebse verursacht hatten, und einst, als sie bei einer fröhlichen Mahlzeit war und eine Schüssel voll den schönsten roten Krebse, mit frischen grünen Sellerieblättern umlegt, aufgetragen wurde, erzählte sie die Begebenheit ihren horchenden Enkeln.
Am Ende der Erzählung fügte sie noch bei: Die Krebse gehen sonst rückwärts, wie man denn auch von verschwenderischen Leuten, die in ihrem Hauswesen zurückkommen, zu sagen pflegt, es nehme mit ihnen den Krebsgang. Mir aber haben die Krebse vorwärts geholfen; doch nicht den Krebsen, sondern Gott, der sich der Krebse zu meiner Besserung bediente, habe ich es zu danken, dass ich meine Gelüste beherrschen lernte, dass ich jeder unordentlicher Begierde nach Speise und Trank, und überhaupt jede Art von unmäßigem Aufwande vermied und so zu einem nicht geringem Wohlstande, zu Glück und Segen gelangte.






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Die Ostereier -

1. O wehe, da gibt's noch nicht einmal Hühner!
2. Gottlob nun sind doch einmal die Hühner da!
3. Jetzt gibt es Eier im Überfluss
4. Das Fest der gefärbten Eier, ein Kinderfest
5. Ein paar Eier mehr wert, als wenn sie von Gold wären
6. Ein Ei, das wirklich in Perlen gefasst wird
7. Der Druckfehler
8. Die Krebse




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