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Ostergeschichten
und -märchen
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Die Ostereier
( Christoph von Schmidt )
8. Die Krebse
- Seite 3 ( von 4 ) -
Ihr habt ja so viele, dass der Herr Bürgermeister sich an den übrigen
doch noch satt essen kann. Wegen des roten Tuches aber werden wir, wie ich
denke, nun bald überein kommen. Wartet nur ein wenig! Sie flog die Stiege
hinauf. Sie hatte schon vor einiger Zeit ein kleines Restchen Scharlach auf die
Seite gebracht und kam nun damit herab. Seht, sagte sie, indem sie den
Scharlach dem Knabe anmaß, das gibt für den kleinen eine
Staatsweste, und weil es ein Rest ist, so kann ich es auch wohlfeiler lassen.
Der Handel kam zustande. Indes war es Katharina doch nicht recht wohl zu Mute,
als sie das Geld einstrich, und der Bauer ihr das Dutzend Krebse in eine irdene
Schüssel zählte. Der Mann sagte ihr noch, weil sie, wie sie
aufrichtig gestand, nie Krebse gekocht hatte, wie sie es machen solle, und
ging.
Als der Mann fort war, wurde es ihr noch banger. Ich hätte die Krebse doch
nicht kaufen sollen! sagte sie, indes ist's nun einmal geschehen und wegwerfen
kann ich sie doch nicht. Sie brachte die Krebse in einer Pfanne voll Wasser
über das Feuer, tat Salz und Kümmel daran, deckte sie zu und konnte
kaum erwarten, wie die köstliche Speise schmecken werde. In ihrem
Verdrusse, ließ sich das Ladenglöcklein wieder hören, und sie
musste dort länger verweilen, als ihr lieb war. Sie eilte so sehr sie
konnte, wieder in die Küche. Allein als sie mit einer Hand die Pfanne vom
Feuer hob und zur gleicher Zeit mit der andern Hand den Pfannendeckel abnahm -
tat sie einen lauten Schrei und ließ vor Schrecken die Pfanne fallen.
Denn mit Schauder und entsetzen hatte sie die hochrote Farbe der Krebse
erblickt, und augenblicklich war ihr der entwendete Scharlach in den Sinn
gekommen. Sie dachte an die Worte ihrer Eltern: Gott werde sie noch strafen und
ihre Betrügereien an den Tag bringen.
Die wunderbare Erscheinung, dass alle Krebse, zumal wenn sie eine neue Schale
haben, sich rot färben, war Katharina gänzlich unbekannt. sie
glaubte, diese Begebenheit sei einzig in ihrer Art, und ihr Erstaunen war so
groß als ihr Schrecken. Ihr Schrecken war dadurch noch vermehrt, dass die
Pfanne ein paar feine Kaffeeschalen mit goldenen Reifchen, die noch auf dem
Herde standen, zerschlagen hatte. Krebse und Scherben lagen auf dem
Kaffeebrette durcheinander. Katharina wusste ihres Jammers kein Ende. Sie
getraute sich die roten Tiere so wenig anzurühren als glühende
Kohlen. Sie fürchtete gar, die rote Farbe möchte von Gift kommen. sie
bat wegen ihrer Sünde Gott unzählige Male um Vergebung und nahm sich
ernstlich vor, von nun an nie mehr den alten Fehler zu begehen.
In diesem Augenblick hörte sie ein Posthorn und das Rascheln einer
Kutsche, die vor dem Hause hielt.
Ach du mein Gott, rief Katharina, jetzt kommen noch gar mein Vater und meine
Mutter! Ich hätte sie vor zwei Stunden noch nicht erwartet! Ach, was
werden diese zu dieser Geschichte sagen! Sie lief ihnen voll Jammer und mit
nassen Augen entgegen.
O meine liebsten Eltern, rief sie, o kommen sie doch mit mir in die Küche
und sehen sie, was sich da Seltsames und Erstaunliches zugetragen hat.
Die Eltern gingen mit ihr in die Küche, um sich mit eigenen Augen von der
unerhörten Begebenheit zu überzeugen.
Ach, Himmel , rief die Mutter, meine schönen Schalen! Auch das ist ein
großes Unglück, sagte Katharina, aber sehen sie nur erst die Krebse
an, wie die aussehen.
Je nun, sagte der Vater, ich sehe nichts Besonderes daran; sie sehen aus, wie
alle gesottenen Krebse aussehen. Ach du mein Gott, rief Katharina mit neuem
Schrecken, mir kommen sie ganz scharlachrot vor, und das kommt von dem
entwendeten Stücklein Scharlach, das ich heimlich verkaufte.
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