Die Ostereier: Die Krebse
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Ostergeschichten und -märchen



Die Ostereier

( Christoph von Schmidt )

8. Die Krebse
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Ihr habt ja so viele, dass der Herr Bürgermeister sich an den übrigen doch noch satt essen kann. Wegen des roten Tuches aber werden wir, wie ich denke, nun bald überein kommen. Wartet nur ein wenig! Sie flog die Stiege hinauf. Sie hatte schon vor einiger Zeit ein kleines Restchen Scharlach auf die Seite gebracht und kam nun damit herab. Seht, sagte sie, indem sie den Scharlach dem Knabe anmaß, das gibt für den kleinen eine Staatsweste, und weil es ein Rest ist, so kann ich es auch wohlfeiler lassen. Der Handel kam zustande. Indes war es Katharina doch nicht recht wohl zu Mute, als sie das Geld einstrich, und der Bauer ihr das Dutzend Krebse in eine irdene Schüssel zählte. Der Mann sagte ihr noch, weil sie, wie sie aufrichtig gestand, nie Krebse gekocht hatte, wie sie es machen solle, und ging.
Als der Mann fort war, wurde es ihr noch banger. Ich hätte die Krebse doch nicht kaufen sollen! sagte sie, indes ist's nun einmal geschehen und wegwerfen kann ich sie doch nicht. Sie brachte die Krebse in einer Pfanne voll Wasser über das Feuer, tat Salz und Kümmel daran, deckte sie zu und konnte kaum erwarten, wie die köstliche Speise schmecken werde. In ihrem Verdrusse, ließ sich das Ladenglöcklein wieder hören, und sie musste dort länger verweilen, als ihr lieb war. Sie eilte so sehr sie konnte, wieder in die Küche. Allein als sie mit einer Hand die Pfanne vom Feuer hob und zur gleicher Zeit mit der andern Hand den Pfannendeckel abnahm - tat sie einen lauten Schrei und ließ vor Schrecken die Pfanne fallen. Denn mit Schauder und entsetzen hatte sie die hochrote Farbe der Krebse erblickt, und augenblicklich war ihr der entwendete Scharlach in den Sinn gekommen. Sie dachte an die Worte ihrer Eltern: Gott werde sie noch strafen und ihre Betrügereien an den Tag bringen.
Die wunderbare Erscheinung, dass alle Krebse, zumal wenn sie eine neue Schale haben, sich rot färben, war Katharina gänzlich unbekannt. sie glaubte, diese Begebenheit sei einzig in ihrer Art, und ihr Erstaunen war so groß als ihr Schrecken. Ihr Schrecken war dadurch noch vermehrt, dass die Pfanne ein paar feine Kaffeeschalen mit goldenen Reifchen, die noch auf dem Herde standen, zerschlagen hatte. Krebse und Scherben lagen auf dem Kaffeebrette durcheinander. Katharina wusste ihres Jammers kein Ende. Sie getraute sich die roten Tiere so wenig anzurühren als glühende Kohlen. Sie fürchtete gar, die rote Farbe möchte von Gift kommen. sie bat wegen ihrer Sünde Gott unzählige Male um Vergebung und nahm sich ernstlich vor, von nun an nie mehr den alten Fehler zu begehen.
In diesem Augenblick hörte sie ein Posthorn und das Rascheln einer Kutsche, die vor dem Hause hielt.
Ach du mein Gott, rief Katharina, jetzt kommen noch gar mein Vater und meine Mutter! Ich hätte sie vor zwei Stunden noch nicht erwartet! Ach, was werden diese zu dieser Geschichte sagen! Sie lief ihnen voll Jammer und mit nassen Augen entgegen.
O meine liebsten Eltern, rief sie, o kommen sie doch mit mir in die Küche und sehen sie, was sich da Seltsames und Erstaunliches zugetragen hat.
Die Eltern gingen mit ihr in die Küche, um sich mit eigenen Augen von der unerhörten Begebenheit zu überzeugen.
Ach, Himmel , rief die Mutter, meine schönen Schalen! Auch das ist ein großes Unglück, sagte Katharina, aber sehen sie nur erst die Krebse an, wie die aussehen.
Je nun, sagte der Vater, ich sehe nichts Besonderes daran; sie sehen aus, wie alle gesottenen Krebse aussehen. Ach du mein Gott, rief Katharina mit neuem Schrecken, mir kommen sie ganz scharlachrot vor, und das kommt von dem entwendeten Stücklein Scharlach, das ich heimlich verkaufte.






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Die Ostereier -

1. O wehe, da gibt's noch nicht einmal Hühner!
2. Gottlob nun sind doch einmal die Hühner da!
3. Jetzt gibt es Eier im Überfluss
4. Das Fest der gefärbten Eier, ein Kinderfest
5. Ein paar Eier mehr wert, als wenn sie von Gold wären
6. Ein Ei, das wirklich in Perlen gefasst wird
7. Der Druckfehler
8. Die Krebse




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