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Ostergeschichten
und -märchen
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Die Ostereier
( Christoph von Schmidt )
7. Der Druckfehler
- Seite 4 ( von 4 ) -
Der Lord hielt Wort, er sprach mit dem Fürsten. Die Sache wurde
untersucht, und es fand sich, das jener junge Mensch, der dem trefflichen
Eduard vorgezogen worden, sich durch Empfehlungen, besonders aber durch ein bei
weitem zu günstiges, um nicht gar zu sagen, falsches Zeugnis das
Stipendium erschlichen hatten. Der Fürst traf die Verfügung, dass
Eduard und dessen Mitbewohner um das Stipendium vor den Professoren der
Universität sich noch einmal einer strengen Prüfung unterziehen
mussten. Eduard übertraf seinen ziemlich unwissenden Mitschüler so
unermesslich weit, dass der Fürst ihm das Stipendium mit großen
Lobessprüchen zuerkannte, demjenigen Lehrer aber, der das unrichtige
Zeugnis ausgestellt hatte, die Weisung zugehen ließ, bei Strafe der
Absetzung sich in Ausstellung der Zeugnisse an die strenge Wahrheit zu halten.
Eduard studierte mit ausgezeichnetem Fleiße und ward bei seinen
großen Talenten, seinem unermüdeten Fleiße und seinem edlen
Betragen die Krone aller seiner Mitschüler. die Geschichte mit dem
Stipendium, die anfangs für ihn so schmerzlich war, gereichte zu seinem
Glücke. Der Fürst war aufmerksam auf ihn geworden, und Eduard wurde
sehr bald angestellt, schwang sich immer höher empor, wurde ein sehr
angesehener Fürstlicher Rat und der Trost und die Stütze seiner
Mutter.
Eduard erzählte seine Geschichte als einen Beweis, wie Gottes heilige
Vorsehung über den Menschen walte, sehr oft, und fügte allemal bei:
Der gütige Gott, ohne dessen Wissen kein Haar von unserem Haupte
fällt, hat es so gefügt, dass die Verwechslung einer Ziffer mir,
meiner Mutter und meinen Schwestern aus großer Not half. Mein ganzes
Glück kam unter Gottes Leitung von einem Druckfehler.
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