Die Ostereier: Ein paar Eier mehr wert, als wenn sie von Gold wären
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Ostergeschichten und -märchen



Die Ostereier

( Christoph von Schmidt )

5. Ein paar Eier mehr wert, als wenn sie von Gold wären
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Der Mann aber sah sehr blass aus, und der Jüngling wusste nicht, ob er nur schlafe oder gar tot sei. Mitleidig ging er zu ihm hin, fasste ihn freundlich bei der Hand und sagte: Fehlt euch etwas lieber Herr? - Der Mann schlug die Augen auf, blickte den Jüngling starr an, seufzte und versuchte zu reden. Aber er konnte kein Wort hervorbringen. Da deutete er mit der Hand auf den Mund und dann auf den Helm, der neben ihm lag. Fridolin verstand, dass er trinken wolle, nahm den Helm, und ging, Wasser zu holen. Ein paar graue Weidenbäume, tief in einem Winkel der Schlucht, verrieten ihm, dass Wasser in der Nähe sein müsse. Er ging hin, fand feuchten Grund, wand sich eine Strecke zwischen Felsen und Gesträuchen hinauf, und sieh! da rann ein kleines Quellchen, hell wie Kristall, aus einem moosigen Felsen hervor. Fridolin füllte den Helm, und eilte dem Durstenden zu. Er trank öfter und in langen Zügen. Nach und nach kam ihm die Sprache wieder.
Gott sei Dank! war sein erstes Wort. Und auch dir sei Dank, freundlicher Jüngling, fuhr er mit heißerer Stimme fort, indem er den Kopf auf die Hand stützte. Dich hat mir Gott zugesendet, damit ich nicht verschmachte. - Aber wie mich jetzt hungert! Hast du ein Bissen Brot bei dir? O du mein Gott, rief Fridolin, wenn ich es nur früher gewusst hätte. Haferbrot und Ziegenkäse, die ich da im Quersack trug, sind rein aufgezehrt. Doch halt, halt! rief er jetzt freudig aus, da habe ich ja noch die Eier. die sind ja eine gesunde und nahrhafte Speise. Er setzte sich zu dem Manne auf den reichlich mit Moos bewachsenen Boden, langte die gefärbten Eier hervor, machte sogleich eines von der Schale los, schnitt es mit seinem Taschenmesser, gleich Apfelschnitzchen in längliche Stücklein, und gab ein Stück nach dem andern dem Manne. Der Mann aß, trank dann wieder dazwischen, und aß dann wieder.
Fridolin wollte das dritte Ei auch aufklopfen. Aber der Mann sagte: Lass es gut sein. Zuviel auf einmal essen, besonders nachdem man lange gehungert, ist nicht gut. Ich habe für jetzt genug. So hat es mir in meinem Leben noch nicht geschmeckt. Es war ein Königsmahl. Ich fühle mich, Gott sei Dank, schon kräftiger! fuhr er fort und setzte sich vollends auf. O wenn du nicht gekommen wärest, so wäre ich diese Nacht sicher verschmachtet.
Aber, sagte Fridolin, indem er den hellen Panzer und die Kleidung von prächtigen Farben näher betrachtete, wie kommt ihr, edler Ritter, mit eurem Pferde denn in diese schauerliche Schlucht herab?
Ich bin nur ein Edelknecht, sagte der Mann, und reise schon mehrere Wochen in Angelegenheiten meines Herrn weit umher. Da hab ich mich in diesem waldigen Gebirge verirrt. Die Nacht überfiel mich. Auf einmal stürzte ich in der Finsternis samt meinem Pferde den steilen Abhang dort herunter in die Tiefe. Dem Pferde, das gut auf den Beinen ist, geschah nichts. Aber ich habe mich da am Fuße beschädigt, dass ich nicht mehr gehen kann. Indes ist's ein Wunder, dass Mann und Ross nicht sogleich zu Grunde gingen. Ich kann Gott nicht genug danken! Ich verband mir die Wunde, so gut ich konnte, aber das Wundfieber setzte mir hart zu. Ich habe mich schon darein ergeben, zwischen diesen Felsen Hungers zu sterben. Da erscheinst du mir, guter Jüngling - wie ein Engel des Himmels. Sag doch an, wie heißest du und wie kommst du hierher in diese menschenleere, einsame Wüste?
Fridolin sagte seinen Namen und erzählte seine Geschichte, und der Mann hörte aufmerksam zu, und tat dazwischen allerlei Fragen. Wunderlich, sagte er, indem er auf die Eierschalen zeigte, die auf dem Moose umherlagen, dass sie so schön rot und blau sind. Ich habe noch nie solche Eier gesehen. Wie, lass mich das Ei, das noch ganz ist, und du in deinen Quersack stecktest, doch einmal näher betrachten!
Fridolin gab's ihm, und erzählte, wie er dazu gekommen.






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Die Ostereier -

1. O wehe, da gibt's noch nicht einmal Hühner!
2. Gottlob nun sind doch einmal die Hühner da!
3. Jetzt gibt es Eier im Überfluss
4. Das Fest der gefärbten Eier, ein Kinderfest
5. Ein paar Eier mehr wert, als wenn sie von Gold wären
6. Ein Ei, das wirklich in Perlen gefasst wird
7. Der Druckfehler
8. Die Krebse




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