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Ostergeschichten
und -märchen
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Die Ostereier
( Christoph von Schmidt )
3. Jetzt gibt es Eier im Überfluss
- Seite 2 ( von 2 ) -
In allen Hütten war Jubel. Alle Leute im Tale segneten die Frau, und
dankten Gott für so schöne, wohltätige Geschenke.
Die Hühner waren lange Zeit das tägliche Gespräch. Immer
bemerkten die Leute noch etwas Neues daran, das ihnen sehr wohl gefiel und
zugleich nützlich war. Die Eigenschaft, dass der Hahn morgens krähe,
war den Hausvätern besonders lieb. Er verkündete so, sagten sie, den
nahen Tag, und fordert die Menschen auf, an ihr Tagwerk zu gehen. Es ist ein
ganz neues Leben im Tale, wenn am Morgen die Hähne so zusammen
krähen, und man geht ordentlich munterer an die Arbeit! Freilich wohl!
sagte der Müller. Wenn der Hahn aber gegen Mitternacht das erste Mal
kräht, so ruft er den lustigen Gesellschaften mit lauter Stimme zu, jetzt
sei es die höchste Zeit, sich zur Ruhe zu begeben!
Den Hausmüttern gefiel es noch besonders, dass die Henne es gackernd
ankündigte, wenn sie ein Ei gelegt hatte. Allemal war Freude im Hause,
wenn sie sich hören ließ. So weiß man es doch gleich, sagten
sie, und kann das nützliche Geschenk sogleich in empfang nehmen.
Hausväter und Hausmütter sagten oft untereinander. Diese Vögel
sind wahrhaftig von Gott recht eigentlich zu Haustieren geschaffen. Sie halten
sich so treulich an das Haus, entfernen sich nie weit davon, kommen, sobald man
ihnen lockt, sofort alle zurück, ja, sie gehen am Abende von selbst heim,
und warten an der Haustüre oder an den Fenstern, bis man sie hereinlasse.
Nicht nur bringen sie in der Haushaltung einen großen Nutzen; ihr
Unterhalt kostet auch sehr wenig. Sie nehmen mit Kleie, mit dem Abfalle von
Gemüse, und mit anderen schlechten Dingen vorlieb, die man im Hause sonst
nicht weiter benützen könnte. Ja sie gehen vom Morgen bis Abend
außer dem Hause überall umher, und scharren und suchen ihr Futter
selbst auf. Viele tausend Körnlein, die besonders zur Erntezeit und bei
dem Dreschen verloren gingen, kommen so noch den Menschen zu gut. die Hennen
lesen sie fleißig auf, und geben uns Eier dafür. Die ärmste
Witwe, die sonst kein Haustier halten könnte, vermag doch noch eine Henne
zu kaufen, und zu füttern, und das tägliche Ei ist ein tägliches
Almosen für sie.
Auch die zwei Kinder der Frau sahen nun ein, woran sie im Überflusse nie
gedacht hatten, was die Eier für Wohltätige Geschenke Gottes seien. O
wie froh waren sie, als sie hie und da morgens ein Ei in Milch essen konnten!
Wie gut fanden sie nun manche Mehlspeise, die ihnen vorhin nicht recht
genießbar schien, weil das Ei daran fehlte. Wie sehr dankten sie Gott
dafür.
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