Ostergedichte auf Ostern.eu: Gethsemane
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Gethsemane

( Annette von Droste-Hülshoff )

Als Christus lag im Hain Gethsemane
Auf seinem Antlitz mit geschloss’nen Augen, -
Die Lüfte schienen Seufzer nur zu saugen,
Und eine Quelle murmelte ihr Weh,
Des Mondes blasse Scheibe widerscheinend, -
Da war die Stunde, wo ein Engel weinend
Von Gottes Throne ward herabgesandt,
Den bittern Leidenskelch in seiner Hand.
Und vor dem Heiland stieg das Kreuz empor;
Daran sah seinen eignen Leib er hangen,
Zerrissen, ausgespannt; wie Stricke drangen
Die Sehnen an den Gliedern ihm empor.
Die Nägel sah er ragen und die Krone
Auf seinem Haupt, wo an jedem Dorn
Ein Blutestropfen hing, und wie im Zorn
Murrte der Donner mit verhalt’nem Tone.
Ein Tröpfchen hört’ er, und am Stamme leis
Herniederglitt ein Wimmern qualverloren.
Da seufzte Christus, und aus allen Poren
Drang ihm der Schweiß.

Und dunkler ward die Nacht, im grauen Meer
Schwamm eine tote Sonne; kaum zu schauen
War noch des qualbewegten Hauptes Grauen,
Im Todeskampf schwankend hin und her.
Am Kreuzesfuß lagen drei Gestalten;
Er sah sie grau wie Nebelwolken liegen,
Er hörte ihres schweren Odems Fliegen,
Von Zittern rauschten ihrer Kleider Falten.
O, welch ein Lieben war wie seines heiß?
Er kannte sie, er hat sie wohl erkannt;
Das Menschenblut in seinen Adern stand,
Und stärker quoll der Schweiß.

Die Sonnenleiche schwand, nur schwarzer Rauch,
Und drin versunken Kreuz und Seufzerhauch;
Ein Schweigen, grauser als des Donners Toben,
Schwamm durch des Äthers sternenleere Gassen;
Kein Lebenshauch auf weiter Erde mehr,
Ringsum ein Krater, ausgebrannt und leer;
Und eine hohle Stimme rief von oben:
"Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verlassen!"
Da fassten den Erlöser Todesweh’n,
Da weinte Christus mit gebroch’nem Munde:
"Herr, ist es möglich, so lass diese Stunde
An mir vorübergehn!"

Ein Blitz durchfuhr die Nacht; im Lichte schwamm
Das Kreuz, erstrahlend mit dem Marterzeichen,
Und Millionen Hände sah er reichen,
Sich angstvoll klammernd um den blut’gen Stamm,
O, Händ’ und Hände aus den fernsten Zonen,
Und um die Krone schwebten Millionen
Noch ungebor’ner Seelen, Funken gleichend;
Ein leiser Nebelhauch, dem Grund entschleichend,
Stieg aus den Gräbern der Verstorb’nen Fleh’n.
Da hob sich Christus in der Liebe Fülle
Und: "Vater, Vater!" rief er, "nicht mein Wille,
Der deine mag gescheh’n!"

Still schwamm der Mond im Blau, ein Lilienstengel
Stand vor dem Heiland im betauten Grün;
Und aus dem Lilienkelch trat der Engel
Und stärkte ihn.










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