Ostergedichte auf Ostern.eu: Am Ostermontage
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Am Ostermontage

( Annette von Droste Hülshoff )

Evang.: Von den Jüngern, die nach Emmaus gingen. (Luc. 24, 13-35.)

Herr, eröffne mir die Schrift,
Deiner Worte Liebesmorgen,
Dass er leis im Herzen trifft,
Was gewisslich drin verborgen.
Weiß es selber nicht zu finden,
Bin doch aller Hoffnung voll:
O, die Wolken werden schwinden,
Wenn die Sonne scheinen soll!

Soll der Glaube ferne sein,
Da die Liebe nicht verloren,
Da in Nächten stiller Pein
Mit die Hoffnung neu geboren?
Du mein Gott der Huld und Treue,
Den des Würmleins Krümmen rührt,
Hättest du umsonst die Reue
In dies starre Herz geführt?

Nein, mein Herr, das hast du nicht,
Deine Seelen sind dir teuer;
Wo nur noch ein Fünklein spricht,
Nahst du gern mit deinem Feuer.
O, ich fühl' es wohl, wie leise
Sich das neue Leben regt,
An der Gnade zarte Speise
Seine schwachen Lippen legt.

Manches ist mir wunderbar,
Manches muss mir dunkel scheinen;
Doch in deiner Liebe klar
Wird sich alles freudig einen.
War der Neben nur des Bösen,
Was als Nacht mich zagen ließ:
Wie sich meine Sünden lösen,
Tret' ich aus der Finsternis.

Herr, mit Tränen dank ich dir
Für dein übergnädig Walten,
Dass du deinen glauben mir
In der Sünde vorenthalten:
Ach, ich hätte wie im Grimme
Neue Frevel nur erspäht,
Bis wir des Gewissens Stimme
Von dem Sturme überweht.

Deine Gnad' ist weich und warm,
Mag der Sorgfalt nicht entbehren,
Und mein Herz war kalt und arm,
Solchen zarten Gast zu nähren.
Aber wie die Quellen springen,
Losgerissen von dem Weh,
Taucht sie sich mit milden Schwingen
In den heißen, roten See.

Herr, ich habe viel geweint,
Dass ich oft wie zu zergehen
In der Seelennot gemeint,
Und wie ist mir heut geschehen!
Dass ich gar so voll der Freuden
Und mich keine Angst bezwingt,
Ob mir gleich das alte Leiden
Riesig an die Stelle dringt.

Und bei deinem heil'gen Buch,
Was mir heute fast wie offen,
Denk' ich keinen einz'gen Fluch,
Kann nur lieben, kann nur hoffen,
Seh' dich nur als Kindlein neigen,
Alles lieblich, alles lind;
Deine harten Worte schweigen,
Und ich weiß nicht wo sie sind.

Das ist nur für diesen Tag,
O, viel anders wird es kommen;
Denn zu groß ist meine Schmach,
Solche Lust kann ihr nicht frommen;
Hast nur deinen Blitz gesendet
Dem verlassnen Götzenhain.

Du unendlich süßes Glück,
Muss ich wieder dich verlieren,
Lass mir nur dein Bild zurück,
In dem Grolle mich zu rühren!
Oder, Herr, soll dieser Stunde
Überschwänglich Heil erstehn,
O, so lass des Grolles Wunde
Mir als Trauer offen gehen!










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